Das Wasser aus der Dusche läuft über das Gesicht, im Schwimmbad beschlägt die Schwimmbrille – und die Kontaktlinsen bleiben einfach drin. Genau hier beginnt ein vermeidbares Risiko. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte Wasser vermeiden, denn Leitungswasser, Poolwasser und selbst klares Quellwasser sind nicht keimfrei. Für die Augen bedeutet das: lieber kurz herausnehmen als später eine schmerzhafte Entzündung riskieren.
Warum Kontaktlinsen Wasser vermeiden sollten
Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Tränenfilm und der Hornhaut. Treffen sie auf Wasser, kann sich ihre Oberfläche verändern, die Linse kann verrutschen oder sich festsaugen. Vor allem aber können Keime aus dem Wasser an der Linse haften bleiben und so länger am Auge bleiben, als es ohne Linse der Fall wäre.
Das bekannteste Risiko ist die seltene, aber ernst zu nehmende Acanthamoeba-Keratitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Hornhaut, die durch bestimmte Einzeller ausgelöst werden kann. Diese Organismen kommen in verschiedenen Wasserquellen vor, auch in Leitungswasser. Eine Infektion ist nicht der normale Ausgang jeder Dusche mit Linsen – sie ist selten. Wenn sie auftritt, kann sie jedoch langwierig sein und die Sehkraft gefährden.
Wasser ist außerdem kein geeignetes Mittel zur Reinigung, Aufbewahrung oder zum Abspülen von Kontaktlinsen. Es desinfiziert nicht. Auch abgekochtes oder gefiltertes Leitungswasser gehört nicht in den Linsenbehälter. Für weiche Kontaktlinsen sind ausschließlich die dafür vorgesehenen Pflegemittel oder sterile Kochsalzlösungen geeignet. Wichtig: Eine Kochsalzlösung spült zwar, desinfiziert aber nicht automatisch. Dafür ist ein passendes Kombi- oder Peroxidsystem erforderlich.
Diese Alltagssituationen brauchen besondere Aufmerksamkeit
Viele Kontaktlinsenträgerinnen und Kontaktlinsenträger denken bei Wasser zuerst an das Schwimmbad. Tatsächlich gibt es aber mehrere typische Situationen, in denen die Linsen besser draußen bleiben sollten.
Duschen und Haarewaschen
Beim Duschen gelangt Wasser schnell ins Auge – besonders beim Haarewaschen. Shampoo, Duschgel und andere Rückstände können zusätzlich unter die Linse gelangen und stark reizen. Wer morgens möglichst schnell fertig werden möchte, setzt die Linsen deshalb am besten erst nach dem Duschen und Abtrocknen ein.
Auch beim Gesichtwaschen gilt: Linsen vorher herausnehmen oder die Augen konsequent geschlossen halten. Letzteres senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die sicherere Variante. Gerade bei Monatslinsen lohnt sich diese kleine Gewohnheit, weil sie über viele Wochen getragen und gepflegt werden.
Schwimmen, Sauna und Whirlpool
Im Schwimmbad enthält das Wasser zwar häufig Chlor, aber Chlor macht es nicht steril. In Seen, Flüssen und im Meer kommen je nach Umgebung weitere Mikroorganismen hinzu. Whirlpools sind wegen der warmen Wassertemperatur besonders kritisch, da sich Keime dort leichter vermehren können.
Am sichersten ist es, zum Schwimmen keine Kontaktlinsen zu tragen. Wenn Sie ohne Linsen nicht sicher sehen können, etwa beim Sport, kann eine gut sitzende, dicht abschließende Schwimmbrille das Risiko verringern. Es bleibt dennoch ein Restrisiko, weil Wasser unter die Brille gelangen kann. Tageslinsen sind für gelegentliche Wasserkontakte die praktischere Option: Nach dem Schwimmen werden sie direkt entsorgt. Monatslinsen sollten nach Wasserkontakt herausgenommen, mit dem passenden Pflegemittel gereinigt und desinfiziert werden.
Für Sauna und Dampfbad spricht ebenfalls vieles für eine Pause von den Kontaktlinsen. Hitze und trockene Luft können den Tränenfilm belasten. Werden die Augen gereizt, fühlt sich die Linse schneller trocken oder fremd an.
Kontaktlinsenbehälter und Pflege
Ein häufiger Fehler passiert nicht am Auge, sondern am Waschbecken: Der Behälter wird mit Leitungswasser ausgespült und anschließend wieder befüllt. Das kann Keime in den Behälter bringen, die später mit der Pflegelösung und den Linsen in Kontakt kommen.
Leeren Sie gebrauchte Pflegelösung nach jedem Gebrauch vollständig aus. Reiben und spülen Sie die Linsen nur so, wie es die Anleitung Ihres Pflegemittels vorsieht. Den Behälter reinigen Sie mit frischer geeigneter Lösung, nicht mit Wasser, und lassen ihn geöffnet an der Luft trocknen. Auch ein Behälter hat keine unbegrenzte Lebensdauer: Er sollte regelmäßig ersetzt werden, idealerweise nach Vorgabe des Herstellers der Pflegelösung.
Speichel ist keine Notlösung
Eine herausgefallene Linse kurz abzulecken und wieder einzusetzen, mag früher als pragmatischer Tipp gegolten haben. Fachlich ist es keine gute Idee. Im Mund leben viele Bakterien, die nicht ans Auge gehören. Fällt eine Linse zu Boden oder kommt mit Speichel in Kontakt, sollte eine Tageslinse entsorgt werden. Wiederverwendbare Linsen müssen vor dem nächsten Einsetzen sorgfältig mit dem vorgesehenen System gereinigt und desinfiziert werden.
Was tun, wenn Wasser an die Linse gekommen ist?
Keine Panik: Ein Spritzer beim Händewaschen führt nicht zwangsläufig zu einem Problem. Entscheidend ist, ruhig und hygienisch zu handeln. Waschen und trocknen Sie zuerst Ihre Hände gründlich. Nehmen Sie die Kontaktlinse heraus, sobald es möglich ist.
Bei einer Tageslinse ist die einfache und sichere Lösung, sie zu entsorgen und später ein neues Paar einzusetzen. Bei Monats- oder Zweiwochenlinsen reinigen und desinfizieren Sie die Linse entsprechend der Gebrauchsanweisung Ihres Pflegesystems. Setzen Sie sie nicht direkt wieder ein, wenn das Auge gereizt ist oder Sie unsicher sind.
Beobachten Sie Ihr Auge in den nächsten Stunden. Rötung, zunehmende Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen, starkes Tränen oder ein anhaltendes Fremdkörpergefühl sind Warnzeichen. Dann sollten Sie die Linsen nicht weiter tragen und noch am selben Tag augenärztlichen Rat einholen. Bei deutlichen Schmerzen oder einer schnellen Sehverschlechterung ist eine augenärztliche Notfallversorgung die richtige Anlaufstelle.
Tageslinsen oder Monatslinsen – was passt bei Wasseraktivitäten?
Für regelmäßige Schwimmerinnen und Schwimmer oder Menschen, die viel draußen aktiv sind, können Tageslinsen den Alltag vereinfachen. Sie werden morgens eingesetzt und abends entsorgt, ein Aufbewahrungsbehälter ist nicht nötig. Kommen sie beim Sport doch mit Wasser in Berührung, lassen sie sich unkompliziert ersetzen. Das bedeutet allerdings auch höhere laufende Kosten als bei Monatslinsen und mehr Verpackungsmaterial.
Monatslinsen können wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn sie konsequent gepflegt werden und Wasser im Alltag keine große Rolle spielt. Bei ihnen ist die Pflegeroutine besonders entscheidend: frische Lösung, sauberer Behälter, kein Kontakt mit Leitungswasser und der rechtzeitige Austausch zum vorgesehenen Termin.
Welche Variante besser passt, hängt nicht nur vom Preis ab. Sehwerte, Tragegewohnheiten, trockene Augen, Astigmatismus oder multifokaler Bedarf spielen ebenfalls eine Rolle. Gerade bei torischen oder multifokalen Linsen sollte die Entscheidung auf einer professionellen Anpassung beruhen. Eine fachkundige Beratung hilft auch dabei, ein Pflegemittel zu wählen, das zur Linse und zu den eigenen Augen passt.
Kontaktlinsen und Wasser vermeiden: So wird es zur Routine
Legen Sie Linsenbehälter und Pflegemittel nicht direkt am Waschbeckenrand ab, wo Spritzwasser leicht hineingelangt. Wer morgens duscht, bewahrt die Kontaktlinsen am besten außerhalb des Badezimmers auf und setzt sie erst danach ein. Für Schwimmbad, Urlaub oder Wassersport gehören Ersatzlinsen, eine Brille und bei Bedarf eine dicht sitzende Schwimmbrille in die Tasche.
Ein aktueller Vorrat verhindert zudem, dass eine Linse aus Bequemlichkeit länger getragen wird als vorgesehen. Bei lensfresh.de finden Sie Tages- und Monatslinsen sowie passende Pflegemittel mit der Sicherheit eines augenoptischen Fachbetriebs. Wenn sich Ihre Werte, Ihr Tragegefühl oder Ihr Alltag verändert haben, ist eine persönliche Kontrolle sinnvoller als bloßes Nachbestellen.
Ihre Augen müssen nicht jede Alltagssituation mit Kontaktlinsen mitmachen. Wer vor Dusche, Schwimmbad und Pflege kurz umdenkt, schafft die beste Grundlage für dauerhaft angenehmes und sicheres Sehen.