Trockene, gerötete oder brennende Augen am Abend werden oft den Kontaktlinsen selbst zugeschrieben. Häufig liegt die Ursache jedoch bei der Routine drumherum. Die 7 Fehler bei der Kontaktlinsenpflege zeigen, worauf es im Alltag wirklich ankommt – denn schon kleine Nachlässigkeiten können den Tragekomfort deutlich beeinträchtigen und das Risiko für Entzündungen erhöhen.
Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Auge. Deshalb verdienen sie mehr Aufmerksamkeit als ein schneller Griff zur Lösung am Waschbecken. Mit der passenden Pflege, einem sauberen Behälter und einem regelmäßigen Wechsel schaffen Sie die Grundlage für frisches, entspanntes Sehen.
Warum Kontaktlinsenpflege mehr als Reinigung ist
Auf einer Kontaktlinse lagern sich im Laufe des Tages Proteine, Lipide aus dem Tränenfilm, Staub und Rückstände von Kosmetik ab. Ein gutes Pflegemittel entfernt diese Ablagerungen, desinfiziert die Linse und hält ihr Material möglichst benetzbar. Das ist besonders bei Monats- und Zweiwochenlinsen entscheidend.
Tageslinsen werden nach einmaligem Tragen entsorgt und benötigen keine Aufbewahrungslösung. Wer wiederverwendbare Linsen trägt, sollte dagegen die Pflegehinweise des Herstellers und die Empfehlung des anpassenden Optikers konsequent beachten. Nicht jede Lösung passt zu jedem Linsenmaterial und nicht jede Pflegeroutine ist für empfindliche Augen gleich gut geeignet.
Die 7 Fehler bei der Kontaktlinsenpflege
1. Linsen mit Leitungswasser abspülen
Leitungswasser wirkt sauber, ist für Kontaktlinsen aber nicht steril. Es kann Keime enthalten, die auf dem Auge schwere Infektionen verursachen können. Auch abgekochtes Wasser, Mineralwasser, Speichel oder Kochsalzlösung aus der Hausapotheke sind kein Ersatz für ein zugelassenes Kontaktlinsenpflegemittel.
Wenn eine Linse auf den Boden fällt, sollten Sie sie nicht einfach unter dem Wasserhahn abspülen und wieder einsetzen. Reinigen und desinfizieren Sie sie ausschließlich nach Vorgabe Ihres Pflegesystems. Bei Tageslinsen ist es meist die sicherere Entscheidung, eine neue Linse zu verwenden.
2. Die Hände nur kurz oder mit Creme waschen
Die Übertragung beginnt oft nicht bei der Linse, sondern an den Fingern. Hautfett, Schmutz, Seifenreste, Handcreme oder Parfüm können auf die Linse gelangen und dort zu Reizungen oder Schlieren führen. Gerade rückfettende Seifen hinterlassen Rückstände, die den Komfort beeinträchtigen können.
Waschen Sie Ihre Hände vor jedem Einsetzen und Herausnehmen gründlich mit einer milden, möglichst parfumfreien Seife. Danach sorgfältig abspülen und mit einem fusselfreien Handtuch trocknen. Feuchte Hände sind ungünstig, weil zusätzlich Wasser an die Linse gelangen kann.
3. Die Linse nicht mechanisch reinigen
Viele All-in-One-Lösungen erlauben eine komfortable Pflege. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Linse ohne Reiben optimal sauber wird. Besonders bei längeren Tragezeiten können sich Ablagerungen festsetzen, die durch bloßes Einlegen nicht vollständig gelöst werden.
Sofern die Anleitung Ihres Pflegemittels nichts anderes vorgibt, geben Sie einige Tropfen Lösung auf die Linse und reiben sie vorsichtig zwischen sauberer Fingerkuppe und Handfläche. Anschließend wird sie mit frischer Lösung abgespült und im Behälter desinfiziert. Dieser kleine Schritt kann bei vielen Trägerinnen und Trägern spürbar zu besserem Seh- und Tragekomfort beitragen.
Eine Ausnahme sind bestimmte Peroxidsysteme oder Speziallösungen mit klaren Anwendungsvorgaben. Hier gilt: Nicht improvisieren, sondern die Packungsbeilage beachten. Peroxidlösung darf niemals direkt ins Auge gelangen und muss vor dem Einsetzen vollständig neutralisiert sein.
4. Pflegelösung im Behälter nachfüllen
Der Rest vom Vortag sieht oft noch klar aus. Trotzdem enthält er bereits gelöste Ablagerungen und möglicherweise Keime. Alte und neue Lösung zu mischen, verdünnt die Desinfektionswirkung und ist einer der häufigsten Fehler bei der Pflege wiederverwendbarer Kontaktlinsen.
Leeren Sie den Behälter nach dem Einsetzen vollständig aus. Spülen Sie ihn mit frischer Kontaktlinsenlösung aus – nicht mit Wasser – und lassen Sie ihn geöffnet sowie kopfüber an der Luft trocknen. Am Abend füllen Sie für jede Linse wieder neue Lösung ein. Die Linse muss dabei vollständig bedeckt sein und die vorgeschriebene Desinfektionszeit einhalten.
5. Den Kontaktlinsenbehälter zu lange verwenden
Ein sauber wirkender Behälter ist nicht automatisch hygienisch. In den Vertiefungen und am Gewinde können sich Biofilme bilden. Diese Ablagerungen sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, können aber die Desinfektion erschweren.
Tauschen Sie den Behälter regelmäßig aus, idealerweise mindestens alle ein bis drei Monate oder nach den Empfehlungen des Herstellers. Viele Pflegemittel enthalten einen neuen Behälter – nutzen Sie ihn auch. Ein Behälter mit Rissen, Verfärbungen oder festen Ablagerungen gehört sofort ersetzt.
Auch wichtig: Linsen für rechts und links nicht vertauschen. Gerade bei unterschiedlichen Stärken, torischen Werten oder multifokalen Linsen ist eine eindeutige Routine sinnvoll. Öffnen Sie immer zuerst dieselbe Seite und schließen Sie den Deckel direkt wieder.
6. Die Austauschintervalle großzügig auslegen
Eine Monatslinse ist keine Linse für „ungefähr einen Monat“. Das Austauschintervall beginnt in der Regel mit dem Öffnen der Packung – auch dann, wenn Sie die Linse nicht täglich tragen. Mit der Zeit verändern Ablagerungen und Materialermüdung die Oberfläche. Die Linse kann sich dann rauer anfühlen, schneller austrocknen oder weniger klar sehen lassen.
Auch Pflegemittel haben eine Nutzungsdauer nach dem Öffnen. Prüfen Sie das Symbol auf der Verpackung und notieren Sie bei Bedarf das Öffnungsdatum. Abgelaufene oder zu lange geöffnete Lösung bietet keine verlässliche Pflege mehr.
Wer häufig vergisst, wann eine Linse fällig ist, profitiert von einem festen Kalendereintrag oder einer Erinnerung im Smartphone. Für Menschen mit unregelmäßigem Alltag, Reisen oder Sport können Tageslinsen die praktischere Alternative sein. Sie werden morgens frisch eingesetzt und abends entsorgt – allerdings nur, wenn sie tatsächlich als Tageslinse vorgesehen sind.
7. Mit Linsen schlafen, duschen oder schwimmen
Nach einem langen Tag die Linsen vor dem Einschlafen herauszunehmen, wirkt manchmal lästig. Doch beim Schlafen ist die Sauerstoffversorgung der Hornhaut reduziert. Mit Kontaktlinsen steigt das Risiko für Reizungen und Infektionen zusätzlich. Ausnahmen gelten nur für ausdrücklich dafür angepasste und freigegebene Linsen – und auch dann nur nach fachlicher Empfehlung.
Beim Duschen, Baden und Schwimmen besteht vor allem wegen des Wasserkontakts ein Hygieneproblem. Entfernen Sie die Linsen möglichst vorher. Wenn Sie beim Schwimmen nicht auf Sehhilfe verzichten möchten, sind gut sitzende Schwimmbrillen eine sinnvolle Ergänzung. Kommt eine Linse mit Wasser in Berührung, sollten Sie sie bei Tageslinsen entsorgen oder bei wiederverwendbaren Linsen fachgerecht reinigen und desinfizieren.
Was bei Brennen, Rötung oder verschwommenem Sehen zu tun ist
Nehmen Sie die Kontaktlinsen heraus, wenn das Auge schmerzt, stark gerötet ist, lichtempfindlich reagiert oder das Sehen plötzlich verschwimmt. Setzen Sie die Linse nicht erneut ein, nur weil die Beschwerden nach kurzer Zeit nachlassen. Bewahren Sie sie gegebenenfalls im Behälter auf, damit Fachpersonal sie beurteilen kann.
Bei anhaltenden Beschwerden, eitrigem Sekret, deutlicher Schwellung oder starken Schmerzen sollte zeitnah eine augenärztliche Praxis aufgesucht werden. Kontaktlinsen und Pflegemittel können individuell angepasst werden, ersetzen bei akuten Beschwerden aber keine medizinische Abklärung.
Eine Routine, die im Alltag funktioniert
Gute Pflege muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, dass sie jeden Abend gleich abläuft: Hände waschen und trocknen, Linsen herausnehmen, nach Anleitung reinigen, mit frischer Lösung desinfizieren und den Behälter hygienisch trocknen lassen. Wer nur drei Minuten spart, riskiert unter Umständen mehrere Tage ohne angenehmes Linsentragen.
Wenn sich Ihre Linsen trotz sorgfältiger Pflege regelmäßig trocken anfühlen oder die Sicht schwankt, kann ein anderes Material, ein anderes Pflegesystem oder eine erneute Anpassung helfen. Bei lensfresh.de erhalten Sie Kontaktlinsen und passende Pflege direkt mit dem fachlichen Hintergrund eines Optikerbetriebs. Denn guter Sehkomfort beginnt nicht erst beim Einsetzen, sondern bei einer Pflegeroutine, die zu Ihren Augen und Ihrem Alltag passt.